Zum Inhalt springen

Bis 06.01. xpon-art: umBruch

GRUPPENAUSSTELLUNG_ 
xpon-art gallery, 
29. November bis 06. Januar 2019.

Vom Zeilenwechsel bis hin zum kunstvollen Wendepunkt widmet sich die neue Gruppenausstellung dem Thema umBRUCH. Liebgewonnene Gewohnheiten werden umgestellt, Regeln überschritten, oder auch für Freiheit gekämpft, nicht nur als Ausdruck von Hoffnung und Neuanfang. So brechen die fünfzehn beteiligten Künstler*innen in Fotografie, Malerei, Collage, Objekt, Performance und Installation für andere Zeiten und andere [T]räume auf, um uns über den Jahreswechsel hinaus in umBRUCH zu versetzen.

Anke Müllerklein, die in unseren Räumen schon Architektur- und Landschaftsfotografie gezeigt hat, überrascht uns diesmal mit dem Abbild eines von Menschenhand erzeugten physischen Bruches. Die großformatige Fotografie schlägt eine Brücke zwischen beiden Genres und bricht durch ihre Wahl des Standpunkts mit Sehgewohnheiten. Durch ihre spannungsvolle Inszenierung schafft die Arbeit den nötigen Freiraum für Assoziationen und erzählt doch eine eigenständige Geschichte. Die oft auf einem synästhetischen Prozess beruhenden, abstrakten Acrylbilder von Antje Ludwig schaffen eine kontemplativ-meditative Atmosphäre. Farbe wird in vielen Schichten per Rakel und Spachtel auf- und abgetragen, in Abklatsch- und Grattage-Technik werden die Oberflächen weiterbearbeitet. So entstehen vielschichtige Strukturen, die dem Betrachter Raum zum sich verlieren und sinnieren lassen.

Durch einen intensiven, spielerischen Prozess von Aufbau, Abbau und Wiederaufbau beforscht Claudia Mächlerer in ihren Arbeiten die Möglichkeiten von Malerei und Collage. Sie arrangiert Abbildungen menschlicher Teilstücke so aneinander, dass eine spannungsvolle und häufig auch irritierende Wirkung entsteht. Der Umbruch, so Daniel Wrede, ist nie nur die große, sondern stets auch die kleine, feine, fast nicht wahrnehmbare Geste, oder Handlung. Es sei ein feiner Grad, der aus einem gewöhnlichen Gegenstand, etwas Neues macht und den wir in den Arbeiten Wredes gewahr werden können. Dagmar Nettelmann Schuldt widmet sich in ihren Arbeiten dem Thema Zeit und Geschichte. Sie zeigt im Rahmen von umBRUCH fünf Trophäen, die Fundstücke und Fragmente aus Häuserfassaden sind, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurden.

xpon-art Gallery, Judith Wermter (c), 2018
Bild: (c) Judith Wermter

Bei Judith Wermter verbindet sich moderne Technik mit analoger Fotografie – Neues mit Vergangenem. Wermter spezialisierte – und reduzierte – sich in ihrer künstlerischen Praxis bewusst auf die Smartphone- Fotografie und AppKunst. Sie arbeitet mit einer bestimmten App, die einen Retroeffekt erzeugt, welcher eine Fotografie auf Film simuliert. Die ausgewählten Arbeiten offenbaren drei Vorlieben ihrer Motivauswahl: Perspektive, Struktur und Spiegelung. Die Installationen von Kirsten Ladiges befassen sich mit Kontemplation; sie stellen einen Bruch mit unserer antrainierten Verhaltensweise dar. Ihre Arbeit feiert die »Kleinheit«, indem sie mit der absurden Übertreibung bricht. Im Zauber der Assoziation werden Dinge zusammengedacht, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang haben, um uns nicht von dem Großen, Aufdringlichen täuschen und vereinnahmen zu lassen.

Die Arbeit von Malwin Faber ist im wahrsten Sinne des Wortes eine sehr vielschichtige. Jede Farbspur wurde im Rahmen eines durchdachten Ablaufs abgeklebt, freigeschnitten und wieder übermalt, so dass zunächst ein grafisches Geflecht entstand, das an Cut-Outs erinnert. In einer überraschenden Wende tränkt Faber das Bild mit viel Terpentin und Ölfarbe. Zufall und Präzision, eine Mischung aus Freiheit und Disziplin und ein Wechselspiel von Konstruktion und Dekonstruktion gehen in diesem Prozess des Umbruchs Hand in Hand und erzeugen eine ungeplant anziehende Grundspannung. Margit Tabel-Gerster verarbeitet ihre Fragen an das Leben und die damit verbundenen Gefühlslagen zu Objekten. Material sind dabei Gegenstände aller Art aus ihrem reichhaltigen Fundus. Ihr aktuelles Dilemma ist, im fortgeschrittenen Alter nichts hergeben zu wollen von den geliebten Dingen und dem Gebot der Stunde gerecht zu werden, Besitz zu reduzieren. Die Installation „Vom Festhalten wollen und Loslassen müssen“ gibt Zeugnis dieses ausweglosen Unterfangens. Aber dass wir aus der Erde gekommen sind und wieder zu Erde werden, muss einfach realisiert werden.

Aus dem Gedankenstrom von Peter Kastner und Paolo Moretto, das Studio KO-OP: „Vor 100 Jahren gab es kurz ein offenes Fenster: mit den Revolutionen in Europa schimmerte ein radikaler Umbruch auf, der Kommunismus als Realität. Gut, wir wissen, die Konterrevolution schlug sofort zurück und hat die Sache erledigt, obwohl das Gespenst lange im Untergrund weiter rumorte, bis zu seinem Ende? Jetzt, 100 Jahre später, belästigen uns die fetten Männer der Nation*1rst, diese dilettantischen Bauern, wieder ungehemmt mit ihrem Rassismus, ihren miesen Sitten und ihrem Traum von den guten alten Zeiten.“ Die Serie „Panamericana“ von Rüdiger Fischer besteht aus Diacollagen, also zerschnittenen und neu zusammengefügten Dias. Er kombiniert hier Dias von einem Tunesienurlaub der Mutter seiner Tochter aus den 70er Jahren und Dias aus den USA der 60er Jahre. Der Einsatz von transparenter roter Folie ist wie eine Ahnung des Blutes, das zwischen Amerika und der arabischen Welt Jahrzehnte später vergossen werden wird. Trotz des Konfliktes zwischen diesen Kulturen ist deren Geschichte untrennbar miteinander verwoben – oder verklebt, wie in Fischers Dias.

Ausgangspunkt der Arbeiten, die Sandra Trösch in den Medien Video, Zeichnung und Fotografie realisiert, ist die Beobachtung von Handlungsweisen und Alltagssituationen, die sowohl im realen als auch im digitalen Raum des Internets stattfinden. Dokufotos, Screenshots, Videoaufnahmen, Tonsequenzen – Motive und Gesten werden als Fragmente aus ihren ursprünglichen Kontexten herausgegriffen und künstlerisch transformiert. Durch den formalen Verfremdungsprozess entstehen in der reduzierten Verdichtung „Bilder im Bild“, collagenhafte Überlagerungen von Bildern, Unschärfen und aufgelöste Konturen, sowie neue Bild- Text-Kombinationen. Die neuen narrativen Werke eröffnen so einen Raum für innere Projektionen der Betrachter*innen. Sven Scharfenberg schaut sich im städtischen Raum um, wobei sein Blick an solchen Personen und Orten hängen bleibt, die dem kollektiven Bewusstsein häufig entgehen: Arbeitende, Passanten, Wartende, Baustellen, Ladenflächen, Bahnstationen und weitere. Sie dienen als Inspiration für Inszenierungen des Alltags, die aufgrund ihrer realistischen Malweise zunächst vertraut erscheinen, sich jedoch stets als Fiktionen entpuppen. So entstehen narrative Gemälde, die uns Betrachtende zum Nachdenken über das Vorher und Nachher der Szene anregen und zum genaueren Hinsehen herausfordern.

Im malerischen Prozess der Bilder von Tina Berendsohn gibt es diesen Freiheitskampf, den Wendepunkt, an dem die Darstellung des Offensichtlichen hinterfragt wird und eine Umwälzung stattfindet, die zu weiteren Bildebenen führt. Der Umkehrpunkt zeigt sich im Aufbrechen einer Landschaft wie im Auflösen einer Figur, der Umbruch ist Programm, Suche, Lust an der Revolte. Dieser Prozess beinhaltet sowohl ein Loslassen zugunsten intuitiver Impulse, als auch den bewussten Einsatz von Technik. Die Essenz ihrer Malerei ist im Ungesagten und Ungeplanten zu finden, während sie gleichzeitig bewusst mit realistischen Elementen, Komposition und Farben arbeitet.

Quelle: xpon-art gallery, Motiv oben (Ausschnitt, part of the original image): © Rüdiger Fischer

xpon-art gallery
Repsoldstraße 45, Hamburg
Sa bis Di, 18.00 bis 21.00
Abweichende Öffnungszeiten sind möglich


Das Musikvideo zur Ausstellung (Tipp: Hamburg2go, Disclaimer)

My location
Routenplanung starten
xpon-art Gallery, 2018, (c)Arne Lösekann

Aktuelle Veranstaltungen

Dreyer & Callau

Don’t Wake Daddy XIII

41. Mineralien Hamburg

Nachwuchsfilmfestival »abgedreht«!

nachtspeicher23 – Preview 2019

Holy Shit Shopping

Kommentare sind geschlossen.

error: Geschützte Inhalte
Nach oben