Mai, 2020

09MaiGanztägig30AktuellTimo Grimm - poorly painted by an unskilled handMalereiFeinkunst Krüger

Details

Augentäuschungen zeigt Timo Grimm mit seiner Serie Bewährtes, denn die vermeintlich gesprungenen Fliesen entpuppen sich aus der Nähe betrachtet als bemalte Leinwände. Während das Material nur vorgetäuscht ist, sind die Brüche echt und sie verstärken die Illusion von Fliesen.
„Der Bruch ist eigentlich das Wichtigste überhaupt“, sagt Timo Grimm, für den Gemälde immer auch Objekte sind. Dieses Thema begleitet ihn schon lange. Bei seinen vorherigen Arbeiten erprobte er alle Spielarten, Keilrahmen zu zerteilen, Leinwände aufzuwölben mit Nägeln und Holzleisten. Die eigentliche Malerei lebte von monochromen Flächen. Seine neuen Arbeiten wagen sich an das gegenständliche Motiv.

Besonders ist, dass es sich um gefundene Bilder handelt. Es sind Original Delfter Kachelmotive aus dem 17. bis 18. Jahrhundert, deren Motivkanon breit ist: sakrale und profane Figuren, Tiere sowie Schiffe oder komplette Szenen, aber auch reine Ornamente. Die Fliesenmalerei ist ein Paradebeispiel des Kultur -transfers über Ländergrenzen und Gesellschaftsschichten hinaus. Erst im 17. Jahrhundert war die Technik der Fayence, der opaken weißen Fliesenglasur, durch italienische Handwerker in die Niederlande importiert worden. In Italien waren die Motive aufwendig und Gegenstände in Fayence nur in der Adelsschicht zu finden. In den Niederlanden traf diese Technik auf das wirtschaftlich erstarkte Bürgertum, so dass die Motive schlichter und die Fayence zu einer billigen Massenware wurde. Die handwerklichen Anforderungen ließen damit drastisch nach. Schon bald exportierte das handelsstarke Volk der Niederländer jene Fliesen auch in diverse europäische Länder. 

Aus heutiger Perspektive erscheinen uns diese Fliesenmotive teilweise naiv bis humorvoll komisch. Geblieben sind hübsche Bildchen – Kitsch der ersten Stunde? In der Ausstellung Poorly painted by an unskilled hand sind diese Motive mehr als Kitsch. Timo Grimm attackiert die Malerei, zerstückelt Rahmen und Motiv, doch nicht um die Illusion zu zerstören, sondern um sie zu verstärken. Indem er Fliesen imitiert, greift der Maler ein Phänomen unserer Tage auf: die erneute Lust an Augentäuschungen, die sich zum Beispiel in Form von 3D-Kino oder dem vermeintlichen Wiederaufbau des Berliner Schlosses zeigt. Seine aktuellen Bilder spiegeln daher eine Kulturgeschichte Europas über Jahrhunderte hinweg. (…)

Dauer

09. Mai 2020 - 30. Mai 2020

Ort

Feinkunst Krüger

Kohlhöfen 8

Öffnungszeiten

Do und Fr 12.00 bis 19.00, Sa bis 18.00 (Änderungen sind möglich)

Weitere Informationen

Website

Quelle und Copyright

Quelle/Text: Feinkunst Krüger, Franziska Storch. Motive (parts of the original image): Timo Grimm.
Dies ist ein redaktioneller Eintrag auf Hamburg2go.

Feinkunst KrügerKohlhöfen 8

Kontakt

Redaktionredaktion@hamburg2go.de

error: Geschützte Inhalte
Nach oben