Mai, 2020

07MaiGanztägig13SeptAktuellKosmos OstThemenausstellungErnst Barlach Haus

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Die Werke von 52 Künstlerinnen und Künstlern in der Ausstellung Kosmos Ost geben einen facettenreichen Einblick in die ostdeutsche Kunstgeschichte, von der Staatsgründung der DDR 1949 bis zum Mauerfall 1989. Zu entdecken ist ein breites Spektrum an Themen, Stilen und Positionen – vom Arbeiterbildnis bis zum Pop Art-Experiment, von sachlich bis expressiv, figürlich bis abstrakt, konformistisch bis kritisch.

Im Rahmen der sogenannten Formalismus-Debatte wurden die Künste seit 1951 auf einen strikten Sozialistischen Realismus nach sowjetischem Vorbild verpflichtet – parteilich, volksnah und mit positiver Botschaft. Die ästhetischen Errungenschaften der Klassischen Moderne der Weimarer Republik wurden zugunsten plakativer Figurationen verworfen, und auch Werke NS-verfemter Künstler wie Ernst Barlach erfuhren zunächst neuerliche harsche Abwertungen als »spätbürgerliche Verfallskunst« (Wilhelm Girnus, 1952), als antirealistisch und pessimistisch.

Eine gesellschaftspolitisch-erzieherische Mission der Kunst postulierte auch der 1959 eingeschlagene »Bitterfelder Weg«: Künstler sollten sich verstärkt mit den Arbeitswelten der Werktätigen auseinandersetzen, diese wiederum wurden zur eigenen, laienkünstlerischen Produktion aufgerufen (»Greif zur Feder, Kumpel!«).

Mit den 1960er Jahren begann eine Phase, in der die staatlich verordnete Schlichtheit zunehmend Widerspruch hervorrief. Der künstlerische Blick auf Geschichte und Gegenwart forderte komplexere, auch kritisch hinterfragende Bildsprachen. Maler wie Willi Sitte, und die drei Väter der »Leipziger Schule« Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig entwickelten sie mit expressiver Vehemenz oder in altmeisterlicher Feinmalerei, in wuchtiger Monumentalität oder filigraner Verrätselung. Dabei verstrickten sich die vier mit Aufträgen und Auszeichnungen bedachten, im Westen ebenfalls hochgeschätzten documenta 1977-Teilnehmer auch in persönliche Widersprüche.

Nachdem 1965 das berüchtigte »Kahlschlag-Plenum« des Zentralkomitees der SED jede Liberalisierung in der Kultur verworfen hatte, zeichnete sich zu Beginn der 1970er Jahre eine Lockerung ab. Im Juni 1971 deutete Erich Honecker auf dem VIII. Parteitag der SED mit der Losung »Weite und Vielfalt« neue Möglichkeiten für stilistische und thematische Öffnungen an, und das Politbüromitglied Kurt Hager gestand der Kunst 1972 in seiner richtungsweisenden Rede Zu Fragen der Kulturpolitik der SED zu: »Das Suchen nach neuen Formen, Mitteln, Techniken ist unerlässlich. […] Konfliktlosigkeit steht der sozialistischen Kunst nicht zu Gesicht, sie ist ein Verstoß gegen die Lebenswahrheit in unserer Kunst.« Auch Werke, die sich von der Tradition sozialistisch-realistischer Figürlichkeit entschieden entfernten, wurden in die Sammlung aufgenommen, etwa Assemblagen und Gemälde von Willy Wolff, die deutliche Anregungen durch britische Pop Art erkennen lassen.

Nicht nur manche Erwerbungsdaten überschreiten den im Ausstellungstitel genannten Zeitrahmen 1949–89, sondern auch die Entstehungsdaten einiger Werke, die für den »Kosmos Ost« bedeutsam sind. Hierzu zählen zwei magisch-realistische Landschaften, die Hans Heinrich Palitzsch kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs malte, und ein 1991 entstandenes Gemälde von Cornelia Schleime: Anlass für das dreiteilige Bild Der Verräterwar die Enttarnung des Ostberliner Schriftstellers Sascha Anderson als »Inoffizieller Mitarbeiter« der Staatssicherheit; als engster Freund Schleimes hatte er die nonkonformistische Künstlerin jahrelang überwacht.

Anders als die nach Ankaufschronologie strukturierte Ausstellung Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990, die das Albertinum 2018/19 seinen eigenen Beständen widmete, ist Kosmos Ost im Ernst Barlach Haus thematisch gegliedert. Acht Bereiche fächern die Auswahl auf: 1. »Auferstanden aus Ruinen«, 2. Arbeits- und Lebenswelten, 3. Mythos und Pathos, 4. Seitenwege und Freiräume, 5. Künstler/innen sehen Künstler/innen, 6.Industrielandschaften, 7. Akte und 8. Landschaft als Metapher. (…)

Dauer

07. Mai 2020 - 13. September 2020

Ort

Ernst Barlach Haus

Baron-Voght-Straße 50a, D-22609 Hamburg

Öffnungszeiten

Di bis So, 11.00 bis 18.00 (Änderungen möglich)

Weitere Informationen

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Quelle und Copyright

Quelle: Ernst Barlach Haus. Motiv (part of the original image): © Sighard Gille
Dies ist ein redaktioneller Eintrag auf Hamburg2go.

Ernst Barlach HausBaron-Voght-Straße 50a, D-22609 Hamburg

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