Tagestour mit Tesla

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Tagestour mit Tesla: Einmal Ostsee für Drei

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AUTOMOBIL___
Von Hamburg an die Ostsee
Ausgiebige Testfahrt mit dem TeslaS P85

Manchmal kommen alle guten Dinge zusammen. Es ist Wochenende, das Wetter ist gut, kühl aber sonnig – für einen Märzanfang geradezu sensationell – und zwei Freunde haben Zeit. Alle wollen an die Ostsee, und der ganz entscheidende Punkt: Wir fahren eines der interessantesten mobilen Testobjekte, die zur Zeit zu haben sind: Den TeslaS P85.
Zur Verfügung gestellt für ein Wochenende ohne Limits: Eine Tagestour mit Tesla. Die Spaßdaten unseres Elektrountersatzes: 4,4 Sekunden auf 100 km/h, 210 km/h Höchstgeschwindigkeit, 421 PS (310 kW). Wir haben ein bestens ausgestattetes feuerrotes Spielmobil erhalten, mit der grössten Batterie-Leistung von 85 kWh und über 500 km Reichweite im besten Falle. Bei einer geplanten Route bis Timmendorf und Scharbeutz wähnen wir uns deshalb ganz beruhigt auf der sicheren Seite. 89 km je Strecke von Hamburg aus bedeutet so 180 km in tutti. Also haben wir reichlich Reserve für Querfeldein-Exkursionen.
Ein erster Check auf „www.lemnet.org/de/“ ergibt eine sehr, sehr, sehr übersichtliche Anzahl an Ladestationen in unserem Zielgebiet.
Gerade dies soll aber, wir sind dank der Reserve durch die große Batterie übermütig geworden, unser zweites Tagesthema sein. Wir entdecken Ladestationen von RWE in beiden Zielorten und einige private Ladepunkte, an denen der Schlüssel zur Lademöglichkeit „unter der Regenrinne hängt“. Wir starten, ohne uns weiter besonders vorzubereiten. Also noch entspannter, als wollten wir am Strand die erste Sandburg bauen – dann hätten wir Schaufeln mitgenommen. Übermütigt, aber nicht völlig leichtsinnig, wie wir nun einmal sind, haben wir eine Anfangs nach Berlin geplante Testfahrt auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Wir hätten gern den Supercharger, das hauseigene Schnellladesystem von Tesla, in den Test eingebaut. Aber dieser wird erst demnächst auf der Hälfte der Strecke nach Berlin installiert. Also dann zur Ostsee.

Erste Eindrücke: Anwärmen in Hamburg

Unsere ungeteilte Aufmerksamkeit hat nun aber die zur Zeit absolute Königsklasse der Elektromobilität: Der aus Amerika kommende, und für den europäischen Markt seit kurzem in den Niederlanden produzierte TeslaS. Nach dem zweisitzigen Tesla-Roadster auf Lotus Elise-Basis ist er die erste eigenständig als Elektromobil entwickelte Sportwagen-Limousine. Vor unserer Ausfahrt am Sonntag hatten wir einen guten Tag lang Zeit, uns in Hamburg auf unseren ersten Langstreckentest mit einem Elektroauto vorzubereiten. Der Wagen ist ein 5-Sitzer, wir haben allerdings die Ausstattungsvariante mit zwei zusätzlichen Klappsitzen im Kofferraum erhalten, könnten also noch zwei Kinder mitnehmen, die jeder bis zu 30kg wiegen dürften, und die während der Fahrt einen spannenden Blick auf den rückwärtigen Verkehr hätten. Diesen Testaspekt lassen wir aber aus.
Wir fahren durch Hamburg und testen den Tesla auf Stadttauglichkeit – und intensiv auf Aussenwirkung. Beides funktioniert phantastisch, auch wenn der Tesla mit seiner Breite (2,19m bei ausgeklappten Spiegeln), und Länge, (4,97m) kein ausgesprochen kleines Stadtauto ist. Ladeversuch im „The George Hotel“ in St. Georg, die Lademöglichkeit wird im Navigationsgerät angezeigt. Wir finden die Wall-Boxes in der Tiefgerage, diese sind gerade installiert worden. Der Techniker war da. Aber sie laufen nicht. Wir checken Alternativen, da wir am nächsten Morgen die maximale Ladung brauchen. Zweimal sind wir schon an der Ladesäule in Eppendorf vorbeigefahren, die durch einen schwarzen A6 Avant blockiert ist. Den ganzen Tag. Als wir am Abend ankommen, weil wir wirklich „tanken“ müssen, und wir den Audi abschleppen lassen wollen, ist der Platz frei.

Die größte Herausforderung: Ladestationen

Mangels Lademöglichkeit in der eigenen Garage, es fehlt auch nur die einfachste Schuko-Steckdose (heute CEE 7/4, oder 7/7), parkt unser Testwagen nun also entspannt im Eppendorfer Lehmweg an einer Vattenfall-Ladesäule. Das Aktivieren geht völlig problemlos: (Hamburg Energy-) Ladekarte an die Säule halten, das kleine monochrome Display beobachten und den Ladestecker reinrammen.
Der Tesla gibt sich der Station nun als ladewilliges Auto zu erkennen, nach wenigen Sekunden leuchten die LEDs an der Ladeklappe in grüner Farbe. Beide Stecker verriegeln sich während des Ladevorgangs, im Auto, wie auch in der Ladesäule. Der Rest ist laden. Wir gehen nach einem ersten interessanten Tag mit Sehen und Gesehen werden ins „Bistro Due“ auf einen Absacker. Wir reden über unsere Eindrücke: Es ist viel in Bewegung. Und wir kommen immer wieder darauf: Das politische Signal wird nicht gesetzt, Deutschland hängt sich immer weiter ab.
Aber zurück zum Auto: Es ist nicht nur ein Fahrerauto – auch der Beifahrer fühlt sich wohl. Er spielt genauso gern mit dem Über-iPad rum, das bis auf die beiden Knöpfe für die Warnblinkanlage und der Entriegelung für das Handschuhfach alle Einstellungen der Fahrzeugfunktionen aufnimmt. Die Mitfahrer im Fond haben eigene Türen, der Einstieg ist ok, wir reden über eine Sportlimousine. Die Kopffreiheit für hinten Mitreisende über 1,80m Körpergrösse ist ein Thema. Die Beinfreiheit ist sehr ok. Zwischen Fahrer- und Beifahrer gibt es eine riesige Ablagefläche, Mineralwasserflaschen finden in den aufschiebbaren Armauflagen Platz. Es fehlen uns aber Ablagemöglichkeiten im Fond. Für Mineralwasserflaschen, für Lesematerial, für Kinderspielzeug (theoretisch).
Was noch Sinn macht, und bei ausreichender finanzieller Potenz gebucht werden sollte: das Panorama-Glasdach, dessen vorderer Teil sich elektrisch öffnen lässt.
Das Innenraumdesign ist klar und eigenständig, im vorderen Teil ganz klar dominiert vom leicht zum Fahrer hin geneigten All-in-one-Touchscreen-Display. Hinten sitzt man gut, mit drei Personen auf der Rückbank auch gern gemütlich eng und hat einen guten Überblick über das Geschehen. Ein weiteres Highlight: Das Verstauen von Gepäck. Was für Kofferräume! Vorne genug Platz für das, was man für einen Wochenendtripp nach Amsterdam braucht. Der Kofferraum hinten: Da geht mehr! Südfrankreich, Südafrika, what so ever. Wenn die Rücklehnen umgelegt werden, geht auch ein Mittagsschlaf.

Drei Testfahrer unter Strom: Die Ostsee ruft

Wir fahren los. Die B75, allseits beliebte Alternativstrecke, wenn im Sommer die A1 ihren Geist aufgibt, erweist sich als gute Wahl. Wenig Verkehr, lange Strecken zum Gleiten und in Ahrensburg, Bargteheide und Bad Oldesloe reichlich Gelegenheit, durch Rekuperation wieder Strom zu gewinnen. Hierbei bremst der Tesla durch seine E-Motoren nur bis zu Schrittgeschwindigkeit herunter. Das Bremspedal ist also ein wenig zusätzlich gefordert.

Das Wetter zur Küste hin hält sich, wir rollen die letzten 10 Kilometer auf der Autobahn. Scharbeutz schläft noch, wir kommen genau richtig. Wir starten unser „Was wäre, wenn wir jetzt laden müssten„-Programm.
Für unseren Tripp reichen die bordeigenen Ladekabel. Für die Schnellladestation ein Typ-2 oder sogenannter Menekes-Stecker und ein dünneres Ladekabel für die Haussteckdose. Was wir nicht dabei haben (was Tesla aber auch als Extra anbietet): Ein Adapter für die Ladeboxen eines Campingplatzes. Die Ladebuchse dort ist 3-polig, blau, mit einem kleineren Stecker. Wir gehen für den Anfang einmal ganz weit runter, zur Haussteckdose. Eigentlich gibt es Betankungsstellen überall, in jedem Haus, in jedem Geschäft, jede Steckdose (ich lasse die Tankstellen einmal weg…) also überall, theoretisch!
Und wir wollen es wissen und fragen in einer Bäckerei: „ Tut mir leid, mein Chef erlaubt mir nicht einmal, mein Handy hier im Laden zu laden“, im Hotel nebenan: „Das machen wir generell nicht“. Man versuche das Gleiche mal in der Türkei – oder in einem der anderen Länder, die uns mittlerweile schon haushoch überlegen sind in der Entwicklung der Elektromobilität. Dort gibt es keine Probleme. Die Zukunft findet bei uns im Kopf statt, nicht auf der Straße.
Amsterdam hat angeblich schon über 800 Ladesäulen, in Hamburg sind es 50.

Die Tücken liegen in den Details

Da uns die Lust vergangen ist, in der Bäckerei für Umsatz zu sorgen, nehmen wir die Ladesäulen von RWE ins Visier. Die nächste steht neben einem Fahrradverleih und ist frei. Keine zwei Minuten später steht der (sehr nette) Ordnungshüter neben uns: „Sie dürfen hier aber nicht stehen“! Wir gucken uns an, wenn nicht wir, wer dann. Wir erklären das Auto und dürfen bleiben. Die Ladesäule ist ein Designobjekt, gibt sich aber zugeknöpft: Es gibt keine LED, oder ein Display, das mit uns in Kontakt treten will. Unser Eindruck: Die Ladesäule ist nicht aktiv. Auch an zwei anderen Ladesäulen kommen wir nicht weiter, eine direkt vor einem Kundenzentrum. Der Tesla leuchtet blau, versucht Kontakt aufzunehmen, kommt aber nicht weiter. Wir geben auf. Ohne Schaufeln zum Sandburgenbauen loszufahren war genau so blauäugig, wie ohne freigeschaltete Ladekarte Strom tanken zu wollen. Dies lerne ich aber erst später, in einem längeren Telefonat mit der Pressestelle. Die Säule muss im Stand-by deaktiviert sein, schon aus Sicherheitsgründen. Wir reden über Starkstrom, und es gibt Kandidaten, die beim Rückwärtsfahren alles umnieten was im Weg steht. Bleibt also lediglich die Irritation, dass die Säule uns nicht auf irgendeine Weise mitgeteilt hat, dass wir nicht berechtigt sind zu tanken, etwa über eine Meldung im (nicht vorhandenen) Display, oder durch eine rote LED. Wir reden über den Beginn einer neuen Infrastruktur und einen grundlegenden Technologiewechsel. Logisch, dass man hier noch an vielen Stellschrauben drehen kann. Das nächste Mal habe ich einen freigeschalteten Zugang zu den (Ökostrom-) Säulen der RWE. Wie ein verehrter koreanischer Künstler (Nam June Paik) schon sagte: „Wenn zu perfekt, lieber Gott böse“.

Der restliche Tag verlief traumhaft, mit einem Spaziergang am Wasser (Ostsee), Kaffee an der Promenade in Scharbeutz (Wichtig! Wichtig!) und einer der Seeluft geschuldeten schläfrig entspannten Rückfahrt über die A1 nach Hamburg.
Ein besonderes Ladeerlebnis hatten wir dann doch noch: Ein iPhone, dass durch übermässige Telefonate auf der Tour so gut wie platt war, wurde durch den ambulanten Einsatz eines solarbetriebenen WakaWaka wieder zum Leben erweckt. Bei der Rückgabe in der Halle von Tesla hat unser Testwagen noch 27 Kilometer Reichweite. Ende gut, alles sehr gut (naja, bis auf die Ladesituation).

Links zum Laden:
www.elektromobilitaethamburg.de
www.bem-ev.de/projekte/etankstellen-finder/

Der Tesla S wurde uns für dieses Wochenende
zur Verfügung gestellt von Tesla Deutschland.
Tesla Hamburg
Valvo Park, Essener Str. 4
www.teslamotors.com/de_DE/

Der Artikel wurde im Februar 2015 leicht überarbeitet.

Hamburg2go Politics: Die Initiative für diesen Lifestyle-Test ging von Hamburg2go aus. Von Seiten des Herstellers/Händlers sind keine weiteren Leistungen erfolgt ausser der Überlassung für den Test.

 

Vor der Abfahrt: Maximal nachgeladen

Vor der Abfahrt: Maximal nachladen. Säule mit Display

Hotline Check in Scharbeutz

Hotline Check in Scharbeutz

Zwischenstopp Lübecker Mediadocks auf Rückfahrt

Zwischenstopp auf der Rückfahrt: Lübecker Mediadocks

Navigation Nachtansicht

Navigation Nachtansicht

Entspannte Autobahnfahrt im TeslaS

Entspannte Autobahnfahrt im TeslaS

An der Ladesäule in Hamburg

Bevor es losgeht: An der Ladesäule in Hamburg

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