Renault ZOE am Zollenspieker Fähranleger

Erstellt von

Renault ZOE – Elektrisch unterwegs im Alltagstest

Lifestyle| Aufrufe: 1599

MOBILITÄT___
Elektroauto Renault Zoe im Alltagstest in Hamburg
Sommer 2015

Es ist Zeit zu testen, ob ein elektrisches Stadtauto schon jetzt alltagstauglich ist. Auch, oder gerade, wenn man keine eigene Schnellladestation in der eigenen Garage oder in der unmittelbaren Nähe hat. Dafür wird die ZOE von Renault meine tägliche Begleiterin für die nächsten Tage. Renault ist mit seinen elektrischen ZE-Modellen im Jahre 2011 auf den Markt gekommen und kann damit durchaus als Vorreiter der eMobilität gelten. An den seitdem zugelassenen Elektroautos (30.378) hat Renault einen Anteil von 8.691. Soweit die Zahlen.

Heute ist es durchaus noch so, dass eAutos besonders für Unternehmen und Handwerksbetriebe interessant sind. Zum einen durch den überwiegenden Kurzstreckeneinsatz, zum anderen durch die Möglichkeit, mit eigenen Ladesäulen auf dem Firmengelände den Fuhrpark mobil zu halten. Um die Anzahl an Elektrofahrzeugen zu erhöhen, fördert Hamburg mit seinem Programm Wirtschaft am Strom Unternehmen, die gewerblich eAutos einsetzen wollen. Die Hansestadt hat außerdem eine Vorreiterrolle übernommen und will mit dem Generalunternehmer Stromnetz Hamburg bis 2016 bis zu 600 Lademöglichkeiten in der Hansestadt schaffen, was einem Quantensprung gleichkommen würde. Und damit sind wir auch schon beim springenden Punkt: Ich möchte wissen, ob die ZOE schon jetzt in Hamburg funktioniert – wenn man, wie ich in diesem Experiment, bei Null anfängt.

Die ZOE wird schon einen Tag früher als angekündigt von der Spedition direkt vor die Redaktion gestellt – und die kommenden Stunden und Tage werden spannend. Ich habe keine Lademöglichkeit in der Garage, und schon gar keine direkt vor der Tür. Die nächsten Säulen befinden sich gut zwei Kilometer entfernt, in der City Nord und am Lattenkamp. Und was noch viel brisanter ist, ich habe beim Start noch keinen Vertrag mit einem lokalen Stromversorger abgeschlossen und daher auch keine Ladekarte und keinen Chip, die ich bräuchte, um die Ladestationen zum Stromabgeben zu bewegen.

Die ZOE wird mit voll geladenen Akkus angeliefert, die Digitalanzeige im Cockpit zeigt eine Reichweite von 196 km. Die Galgenfrist beginnt also zu laufen. Bei Vattenfall beisse ich auf Granit, ein beantragtes Konto zur Nutzung der Ladesäulen braucht eine Woche Bearbeitungszeit (in Berlin (!)), auch über die Pressestelle, so wird mir beschieden, gäbe es keine Möglichkeit. Zum Glück gibt es ja noch die Tochterfirma von Hamburg Wasser, das Unternehmen Hamburg Energie. Dieses betreibt aktuell noch die meisten Ladesäulen in Hamburg, in Kooperation mit Vattenfall. Nach zwei kurzen Telefonaten wird mir geholfen und ich kann eine Ladekarte im Kundenzentrum am Ballindamm abholen.
Ich war nicht wirklich angespannt – aber jetzt geht es mir besser.

Das Aufladen: Von Null auf Hundert

Im Internet entdecke ich zudem die 2014 gestartete Firma Plugsurfing (in Berlin), die aktuell die Lademöglichkeiten der verschiedenen Unternehmen in Deutschland in einer App fürs Smartphone zusammenfasst. Nach einem Telefonat und Email-Wechsel wird mir völlig problemlos ein freigeschalteter „Key-Ring“ per Post zugeschickt. Auch diesen Schlüsselanhänger mit integriertem Chip werde ich also testen. Der Schlüsselanhänger funktioniert zur Zeit noch an mehr Säulen als die App, die ich aber zum Finden der Ladestationen benutzen werde. Dank dieser Alternativen fühle ich mich auf der sicheren Seite.

Spannend wird jetzt sein zu sehen, ob die Anforderungen, die ich durch meine Tätigkeiten und Recherchen im Hamburger Stadtgebiet habe, mit der Nutzung eines eAutos und der Beschränkung auf öffentliche Ladesäulen in Einklang zu bringen sind. Dabei bewege ich mich im Drittelmix: Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad und eben mit dem Auto. Ganz ohne Erfahrungen starte ich dabei nicht, seit sechs Jahren interessiert mich die Elektromobilität und ich nutze jede Gelegenheit neue Erfahrungen zu sammeln, zum Beispiel mit dem Tesla S und dem BMW i3. Und eben in 2009 in Berlin mit dem damals noch erhältlichen Maxi-Roller Vectrix VX1.

Schöne Formen und alles was man braucht

Die ZOE hat mir schon gefallen, als ich sie bei einer eMobility-Veranstaltung in der Hamburger Hafencity das erste Mal live gesehen – und kurz gefahren – habe. Mir gefällt die Form, die Linienführung und die mit blauen Farbtönen unterlegte „Lichtarchitektur“. Und ich kann mit allen Ansichten etwas anfangen: Front-, Seiten-, Heck- und den Schrägansichten. Vor mir steht ein knuffiges Auto, das in das Flottengesicht der Renault-Produktlinie passt, aber eben doch ein bisschen anders aussieht. Und im Vorbeifahren durchaus Aufsehen erregt. Vielleicht kennen sich doch mehr Leute mit eAutos aus als ich gedacht habe? Aber nicht umsonst ist sie schon bei ihrer Markteinführung von Autobild und Autotest zum besten eAuto gewählt worden.

Die Türen öffnen weit und machen das Ein- und Aussteigen zu einem Kinderspiel. Die Fondpassagiere haben eigene Türen, mit im Rahmen verdeckten und etwas rutschigen Griffklappen, der Fußraum hinten ist ausreichend für Kurz- und Mittelstrecken und die Kopffreiheit ist ausreichend bis zu einer Körpergröße von 1,80m.

Renault ZOE - Das Cockpit

Lederlenkrad und das übersichtliche Cockpit mit Multifunktionsdisplay

Das Cockpit ist aufgeräumt, was mir sehr gut gefällt. Es gibt eine zentrale Digital-Anzeige und eine iPad-ähnliche Kommandozentrale, einige wenige Schalter (zum Beispiel für den Energie sparenden ECO-Betrieb), das war´s. Wenn ich wollte, könnte ich in die R-Link genannte online Servicewelt eintauchen und mich zum Beispiel vom Öko-Fahrtrainer im resourcenschonenden Fahren unterrichten lassen, Apps ausprobieren oder in meinem Smartphone vom Café aus über My Z.E. Connect den Ladezustand abfragen. Das wäre dann aber einen eigenen Artikel wert.

Die Ausstattung dieser ZOE lässt für mich keine Wünsche offen. Die Keycard öffnet, und schließt, als Fernbedienung das Auto und kann entweder in der Tasche bleiben oder wird in den Schlitz unterhalb des Navi-Bildschirms gesteckt. Auf die Bremse getreten und den Start-(Stop)-Knopf gedrückt – und es passiert, wie bei eAutos üblich: Nichts! Abgesehen von einem freundlichen Jetzt-Kann-Es-Losgehen-Ton. Einfach den Fuß etwas von der Bremse nehmen, und die ZOE rollt los. Ich muss vorher allerdings kurz rückwärts setzen zum Ausparken und freue mich über die Heckkamera und Fahrspur-Anzeige im Display. Für vorn gibt es keine Kollisonswarnung, aber man kann den Anfang des Autos ganz gut abschätzen.

Renault ZOE auf der Hausrunde

Die markante Heckleuchte signalisiert auch: Ich bin anders

Ich spiele ein bisschen mit dem Navi herum. Alles gut, keine besonderen Auffälligkeiten – bis auf die Einblendung der Verkehrsschilder mit Geschwindigkeitsbeschränkungen. Super, wie gesagt, mir fehlt nichts. Vielleicht hätte ich gern ein Schiebedach oder Rollverdeck. So verschwinden die Seitenscheiben elektrisch in den Türen und das reicht auch. Die Klimanlage als Alternative ist im Antritt etwas zart, macht aber dann einen sehr guten Job. Sie ist besonders auf die Gegebenheiten in einem eAuto ausgelegt: Infos zur Wärmepumpe-Technologie. Und das Lenkrad würde ich gern ein bisschen verstellen können.

Eine Umgewöhnung auf die ZOE findet bei mir gar nicht statt. Ich steige ein und fahre los. Nur das Lade-Procedere braucht eine kurze Gewöhnungszeit: Öffnen der Ladeklappe hinter dem Renault-Logo vorn (mittels eines Schalters links unten am Armaturenbrett), öffnen des Kofferaums, das Schnelllade-Kabel nach vorn zum Auto bringen, die zweite, innere Schutzklappe öffnen, den blauen Stecker ins Auto, die Ladesäule mit dem Chip aktivieren, den anderen Stecker in die Ladesäule rammen – und schon signalisiert die ZOE mit blauem Schriftzug den aktivierten Ladevorgang.

IMG_5141

Vor dem längeren Ausritt nach Wilhelmsburg: Nachladen, diesmal mit Plugsurfing-Chip in Eppendorf an der stärksten Ladesäule

Ausserdem habe ich mir angewöhnt, zuerst zu prüfen, ob die Ladesäule in Betrieb ist. Zur Zeit gibt es Umstellungen in Hamburg und ein electric driver ist schon dankbar, wenn eine Säule sichtbar deaktiviert ist, wie an der Alster vor der Alsterperle am Eduart-Rhein-Ufer (Juli 2015). Das ist in den Apps und auf Websites neben der Anzeige, wo sich in der Nähe eine Ladesäule befindet, die zweite in Zukunft noch wichtigere Information: Welche Säulen sind in Betrieb UND noch nicht besetzt. Diese Funktionalität fehlt zur Zeit noch (für Hamburg) in der Plugsurfing App. Aktuell bringt ein Carsharing-Anbieter bis zu 30 BMW i3 auf die Hamburger Straßen. Damit wird das Ganze zu einem Haifischbecken.

Zumindest in der Übergangszeit, bis Hamburg die Lademöglichkeiten auf eine breite Basis gestellt hat. In der Hafencity blockiert ein i3 die Ladesäule, in Eppendorf fährt gerade als ich eingestöpselt habe ein konsternierter i3-Fahrer am jetzt besetzten Ladeplatz vorbei. Ich frage mich, was passiert, wenn abends die Säule von einem Carsharing i3 blockiert wird, und dann die Nacht lang nicht mehr bewegt wird. Parke ich den dann um, damit ich laden kann? Fazit: Die Ladeinfrastruktur ist das Thema. Das eAutos leider noch teuer/teurer sind, ist das andere. Renault fährt gerade eine Aktion bis zum 31. August 2015, Infos dazu unten.

Renault Zoe - Ladestation an der Alsterperle

An der Alsterperle: Auch das kommt vor durch Umstellungen der Technik oder Wartungsarbeiten (Update 27.07.: Die Säule ist wieder aktiv, im neuen Look)

Die positiven Erfahrungen mit den täglichen ZOE-Fahrten in der Stadt zusammen mit schönstem Sommerwetter motivieren mich zu einer „Hausrunde“. Über die Hafencity geht es durch den ehemaligen Freihafen nach Wilhelmsburg zum Anleger, einem Biergarten mit hübscher Pizzeria am Kanal.  Nach einem Kaltgetränk geht es weiter Richtung Moorfleet, zum Red Golf-Gelände, dann am Hamburger Yacht-Club vorbei nach Allermöhe, dem Deich entlang bis zum Wasserpark Dove Elbe. Dann ganz entspannt mit guter Laune über Reitbrook und Neuengamme zum Zollenspieker Fährhaus und Fähranleger (Titelfoto). Die ZOE fährt völlig ruhig und zuverlässig, der Fahrer ist tiefenentspannt.
Auf der Rückfahrt am Deich entlang mache ich noch eine lustige Entdeckung: Swingolf am Gauerter Hauptdeich. Familie Soltau bietet die Spaß-Alternative für alle, die Golf nicht ganz so ernst nehmen und zum Beispiel mit einem Bollerwagen und ner Kiste Bier auf die Runde gehen wollen. Hilfreich beim Swingolf: Es gibt nur einen Schläger – und die Löcher sind grösser. Und wer lieber zutritt spielt die Variante Fußballgolf.

Renault ZOE beim Red Golf Moorfleet

Die ZOE macht auch neben der Driving Range beim Red Golf Moorfleet eine gute Figur

In der Praxis mache ich in den zweieinhalb Wochen keine schlechten Erfahrungen – und komme auch nie in den roten Bereich. Ich kombiniere meine Einkäufe, Arztbesuche und Behördengänge mit einem Ladevorgang und stricke noch eine Kaffee- oder Mittagspause dran. Auch an einer 16 Ampere-Säule in der Kümmellstraße in Eppendorf reicht ein kurzes Nachladen für ein paar Kilometer mehr. Ausserdem kann mit strategischer Fahrweise im Abbremsprozess Energie über die sogenannte Rekuperation zurückgewonnen werden, im Display wunderbar zu sehen, und auch, etwas gewöhnungsbedürtig, als ganz eigenständiges elektrisches Geräusch zu hören. Damit gewinnt man nicht wirklich viel zurück, aber immerhin.

Wichtig ist noch zu wissen, dass die ZOE mit einer Mietbatterie verkauft wird. Das geht bei Eur 49,- im Monat (3 Jahre, 5.000 Km/Jahr Laufleistung) los, bis rauf zu Eur 162,-/Monat.

Die technische Seite:
Batterie: 22 kWh
PS: 88
Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h
Länge: 4,08m
Preise: ab ca. 16.500 Eur ,- (Aktion); Testfahrzeug: Renault ZOE Zen mit Vollausstattung.
Bis zum 31.08.15 gibt es eine Eur 5.000,- Unterstützung für Privatkunden beim Kauf einer ZOE.

Video auf Youtube (externer Link):
https://www.youtube.com/watch?v=cbsSaLli2A4

Text: Hamburg2go (fsa), Update: 27.07.15, Fotos: © Hamburg2go

Die ZOE wurde für diesen Langzeit-Stadtfahrtest zur Verfügung gestellt von:
Renault Deutschland
Informationen über den Renault ZOE in Hamburg bei:
Christopher Handrup, Renault Niederlassung Hamburg, Friedrich-Ebert-Damm: 040-60904201.
Er ist auf Geschäftskunden spezialisiert, aber auch im eMobiltity-Thema zu Hause.

Der Praxistest wurde unterstützt durch Hamburg Energie und Plugsurfing.

Hamburg2go Policy: Die Initiative für diesen Lifestyle-Test ging von Hamburg2go aus. Von Seiten des Herstellers/Händlers sind keine weiteren Leistungen erfolgt ausser der Überlassung für den Test. Und die Überlassung der Ladekarte und des Key-Rings.

Dieser Kommentarbereich ist geschlossen.