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Sommerliche Ausfahrt: Die Mash im 3-Tagestest

Lifestyle| Aufrufe: 2547

MOBILITÄT___MOTORRAD
Mash Seventy-Five Vintage B/W
Sommer 2015

Das Sommerwetter ist ziemlich launisch dieses Jahr und einige schöne Tage nutze ich, um ein Moped zu testen, für das ich mir vor einigen Wochen einen Knoten ins Taschentuch gemacht habe. Die Motorrad-Marke „Mash“ wird seit kurzem von einem Händler vertreten, bei dem ich die Peugeot Django schon für einen Test abgeholt hatte. Der Retrolook im Stil der englischen Triumph, Norton und Konsorten ist ziemlich angesagt und so wurden die Stunden bis zur Abholung und dem Beginn der Testfahrt ziemlich lang.

Das Aussehen: Englisch klassisch

Die Mash, die mich erwartet, ist die „Seventy-Five“ im Vintage Look, schwarze Sitzbank, schwarze Felgen, schwarzer Motor, schwarze Teillackierung. Keine Frage, hier steht eine Schönheit. Die einsitzige Cafe Racer, die Seventy-Five in weiß-blau und die 500er bleiben im Showroom. Die Einweisung ist knapp, ich bin schon die Liberta gefahren und freue mich jetzt auf eine etwas entspanntere Position hinter dem Lenker. Für meine Körpergröße von 1,78m ist die Mash wie massgeschneidert. Ich sitze gerade, die Arme entspannt am Gasgriff und an der linken Bremse. Die Maschine springt sofort an und der Sound ist so grossartig, dass sie augenblicklich vergessen lässt, das hier nur 125ccm am Werk sind (Soundcheck-Video siehe unten). Ein schönes Bollern und Blubbern, dabei aber nicht zu aufdringlich.

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Die Gesamtansicht der Fifty-Five

Ich rolle vom Hof und schalte sofort in den 2. Gang, um auf Geschwindigkeit zu kommen. Die Einfallstrassen Richtung Süden und zur Alster, dem ersten Ziel, sind genau richtig, um sich an die Mash zu gewöhnen. Das Schalten läuft ohne Probleme, die Gänge lassen sich sauber treffen und die Neutral-Position beim Ampel-Stopp verrät sich mit einer grünen Lampe neben dem übersichtlichen Tacho ohne Tankanzeige – dafür gibt´s ne Sprit-Reserveschaltung. Die Mash hat gerade 8 km auf der Uhr und so fahre ich sie sehr entspannt, ohne Grenzbereiche auszuloten. Am besten läuft sie so zwischen 60 und 75 km/h merke ich schnell. Die Sitzbank ist straff, aber ausreichend gefedert – auch nach mehreren Stunden Fahrt werden keine Probleme zu vermelden sein.

Von der Alster geht es durch die Innenstadt Richtung Hafencity, mal wieder am Ziesel Park vorbei, über die Elbbrücken bis zur Ausfahrt Veddel und dann rein ins am Wochenende völlig ruhige Industriegebiet. Asphalt wechselt mit Sand, Kopfsteinplaster mit schlechtem Kopfsteinpflaster und alten Eisenbahnschienen.

Die Verarbeitung: Nichts klappert

Kopfsteinpflaster ist der Härtetest. Auf der Runde durch Billbrook, der Billerhuder Insel, Rothenburgsort, tief in den Industriegebieten der Stadt ergibt sich laufend die Gelegenheit, die Federung, die Sitzbank und die Körperhaltung verschiedenen Tests zu unterziehen. Trotz aller Versuche klappert bei diesem Bike wirklich nichts. So gar nichts. Nicht mal der Haupt- oder der Seitenständer. So etwas habe ich vorher noch nicht erlebt. Dafür unterbricht die linke Blinker-Anzeigenleuchte am Tacho zwischendurch ab und zu ihren Job, aber das ist eine Kleinigkeit.

Ich fahre eine Schleife zurück Richtung Entenwerder Halbinsel und schrabbel vorher mal zum Rothenburger Wasserpark, um zu gucken, was sich da so verändert hat. Die ehemalige Trinkwassergewinnungsanlage mit ihren zugewachsenen Wasserbecken und sehr schönen alten Pumpengebäuden in Form von Backstein-Türmchen gibt die nächste Location für einen Fototermin. Heute ist das Gelände zu einem Naturpark, Industriedenkmal und einem Museum mit Gastronomie geworden. Es gibt Führungen (> Fledermausführungen) und ein Kinderprogramm. Für Inlineskater ist die Wasserkunst-Hamburg ein hervorragender Startpunkt für eine Black-Ice Asphalt-Tour entlang des Deichs.

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Die Mash vor idyllischer Naturkullisse: Schwäne, Reiher und Enten inklusive

Ich mache noch einen Schlenker entlang des Ausschläger Elbdeichs in Richtung Kraftwerk Tiefstack und lasse den Blick in langsamer Fahrt über die im Hafenbecken der Billwerder Bucht vertäuten Sportboote schweifen und drehe um. Jetzt steht das vor einem Monat gestartete Ausflugsziel „Entenwerder 1“ auf der Entenwerder Halbinsel auf dem Programm, eine lokale Tageszeitung war die Inspirationsquelle. Ein Kaffee und etwas zu essen sind jetzt dringend geboten, der Blutzuckerspiegel ist runter bis in den Keller.
Bei der Anfahrt zum Ponton-Café wird es immer Enten-lastiger: Entenwerder Stieg, Entenwerder, am Entenwerder Fährhaus vorbei (Terrasse voll besetzt, neuer Betreiber?) in den Elbpark Entenwerder. Wäre es kein Café sondern ein floating „Chinese“, gäbe es jetzt Nr. 73, Ente süss-sauer. Die Mash macht weiterhin einen super Job und wird schon während der Auffahrt zum Parkplatz bewundert. Also Parkpositon gesucht, Seitenständer in coolem Move ausgeklappt, was gleichzeitig den Motor ausmacht.
Über die massive Pontonbrücke geht es runter zur Floating Platform, und der Blick öffnet sich über einen Teil der Billwerder Buch mit ihrer mächtigen Flutschutzanlage, und über die Norderelbe, die hier komischerweise nicht Entenelbe heisst.

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„Sie haben Ihre Parkposition erreicht!“ – Mahlzeit: jetzt erst einmal nen Kaffee und nen Toast

Ich entere das Café, in lockerer Folge stehen Ensembles von Tischen und Stühlen, ein kleiner Flachdach-Bungalow ist die Ausgabestation. Die Auswahlt an F&B ist überschaubar, es wird ein Cappuchino und ein „Ei im Nest“(= im Toast), beides für stramme acht-euro-irgendwas. „Augen-links“, das ist hier wirklich der schönste Blick über die Norderelbe, „Entwerder 1“ ist gut besucht, und das (Hühner-) Eier-Nest schmeckt. Der Kaffee kommt von einer kleinen Rösterei, ist aber nicht mein Fall: zu blumig, keine Cappuchino-Mischung. Mein Kaffee zu Hause kommt von einer neuen, kleinen Rösterei in Alsterdorf, ich bin verwöhnt und zickig. Allerdings hebt sich jetzt der Blutzuckerspiegel und ich schwinge mich wieder auf die Mash, die sofort anspringt, kaum habe ich den Schlüssel auch nur angefasst. Ab gehts.

Einer meiner Lieblingsbadeseen liegt in den Boberger Dünen. Da ich längere Zeit nicht mehr da war, ist dieses Ziel jetzt angesagt, das sind so schlappe 10 km. Wieder eine meiner Lieblingsstrecken durch Hamburger heavy-industry Gebiete, irgendwie bin ich der Einzige, der hier langknattert. Perfekt. So ganz grob geht es Richtung IKEA, dann werden als Ziel die hohen rot-weissen Funkmasten anvisiert. Der Badesee im Naturschutzgebiet ist nur zu Fuß zu erreichen, als fahre ich die landschaftlich schönen Straßen weiter ostwärts Richtung Segelflugplatz. Hier gibt es neben den flachen Hallen und Betriebsgebäuden auch ein Café, in dem man ganz entspannt dem Starten an der Winde und dem Landen zusehen kann. Einer Ex-Freundin verdanke ich tolle Flugerfahrungen und sogar einige mittelmäßig Landungen unter strenger Aufsicht. Hamburg von oben im Segelflugzeug: absolut genial.

Hier gibt es keinen längeren Stopp, aber ein paar Fotos müssen sein.

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Segelfliegen: Der Blick von unten ist auch schön

Es geht also weiter, die B5 von Bergedorf zur City ist nur einen Katzenwurf entfernt und bietet sich für eine längere Strecke mit gleichbleibender Geschwindigkeit an. Also zurück in die Stadt, 80 ist erlaubt, 70 reicht mir, die Mash läuft wie eine Nähmaschine – die allerdings von allen anderen überholt wird. Auch hier liegt die Mash für mein Gefühl sehr schön auf der Straße. Deshalb verlängere ich den Ausflug noch etwas und biege von der Eiffestrasse links ab und schlage mich durchs Gebüsch bis nach Wilhelmsburg. Da Bunker zur Zeit „the big thing“ in Hamburg sind (explodierende Öle in einem, Umbau zu Wohnungen der andere, hängende Gärten mit grüner Mütze der dritte, kommt mir der Energie-Bunker in den Sinn. Super-authentisch und aufwändig restauriert, ohne die graue Aussenwand mit Farbe zu beleidigen, ist er DAS Wahrzeichen im Stadtteil. Selbstbewußt, massiv und mit modernster Energiegewinnungstechnik gepimpt.

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Auch in den Details hübsch anzusehen

Das Café in der obersten Etage mit Rundblick über die Gegend (absolut empfehlenswert, wird auch für sichere Hochzeitsfeiern gebucht) kenne ich schon, deshalb entscheide ich mich nach dem Anfertigen eines stylischen Fotos (Titelfoto) für die Weiterfahrt zum ehemaligen IGS-Geländes um der Willi Villa mal Hallo zu sagen. Hätte ich gewusst, dass ich da nicht vorfahren kann, und der Fußweg bei fast 30 Grad nicht so richtig lustig ist, aber sehr schön, wäre ich ein anderes Mal mit dem Fahrrad gekommen. So gibt es (wieder) einen Kaffee und ein Sandwich. Eines von den Kanus auszuleihen, um die mit Wasserlilien übersäten Flußläufe des Geländes zu erkunden, verschiebe ich auf später mal. Uff, es ist zu warm. Es gibt noch einen Drink an der Alster und dann wird die Ausfahrt für heute beendet. Ich fahre nach Hause, um mir eine Folge M.A.S.H. anzusehen.

Le Fazit: Die Stärken der Mash sind ganz sicher ihr Fahrverhalten, die Strassenlage, das Aussehen ja sowieso, die Verarbeitung, soweit ich das nach einem ausgedehnten Wochenende beurteilen kann – und das Ganze in Verbindung mit einem Preis, der das Moped zu einem wirklich perfekten Zweit-Mobil für die Stadt macht, wenn die „Große“ zu umständlich ist, oder als Einzelbike für den entspannten Stadtfahrer als Ergänzung zum Auto. Der Auftritt stimmt, das Fahren stimmt, der Sound stimmt: Spaß pur.

Dazu die Information vom Händler, dass die Mashs aus Sicht der Wartung und Reparatur sehr einfach sind. Und dass der französische Importeur „France Equipment“ für sehr schnelle Ersatzteillieferungen sorgt. Das ab und zu kleine Dinge auf- oder ausfallen, nachdem man die Maschine neu in Empfang genommen hat, habe ich schon beim Durchlesen der Foren gelesen. Aber nichts davon fällt wirklich ins Gewicht. In Frankreich rocken die Mashs deshalb auch die Zulassungszahlen.

Die technische Seite:
PS: 11,6 PS
Höchstgeschwindigkeit: 105 km/h
Getriebe: 5-Gang Schaltgetriebe
Leergewicht: 96 kg (!)
Tankinhalt: 14 Liter
Preise: ab ca. 2.450 Eur

Video auf Youtube (externer Link, in franz.: Technik, Details):
https://www.youtube.com/watch?v=EmwtQX8voOA

Video auf Youtube (externer Link, während der Fahrt, Sound):
https://www.youtube.com/watch?v=hHe21PSu_kA

Text: Hamburg2go (fsa), Fotos: © Hamburg2go

Die Mash wurde für diesen Wochenend-Test zur Verfügung gestellt von:
Scooter World in Norderstedt
Ochsenzoller Str. 177, Norderstedt
www.scooterworld-online.de

Hamburg2go Policy: Die Initiative für diesen Lifestyle-Test ging von Hamburg2go aus. Von Seiten des Herstellers/Händlers sind keine weiteren Leistungen erfolgt ausser der Überlassung für den Test.

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