MKG Hamburg, Keith Haring. Posters. 05.2017

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Bis 05.11. Keith Haring. Posters

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Museum für Kunst und Gewerbe, 31. Mai bis 05. November 2017

Keith Haring, 1958 in Pennsylvania geboren, zieht als Zwanzigjähriger nach New York und wird sofort von der lebhaften Street Art-Szene in den Bann geschlagen. Zu dieser Zeit ist die Pop Art längst arriviert und Graffiti prägen das Stadtbild. Keith Haring benötigt nur wenige Jahre, um seinen Weg als Künstler zu finden. Er entwickelt einen unverkennbaren Stil, der mit seinen kraftvollen Linien und figürlichen Motiven dem Comic und der Straßenkunst nahe steht. Ihm ist weniger als ein Jahrzehnt als erfolgreicher Künstler vergönnt, das er allerdings mit einer erstaunlichen Energie ausfüllt, die bis heute nachwirkt. Haring versteht sich zeitlebens – im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen – als ein politischer Künstler, der aufklären und mit seiner Kunst ein breites Publikum erreichen will. Die Ausstellung Keith Haring. Posters vereint über 100 Plakate aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG). Sie zeigt anhand seiner Ausstellungsplakate Harings stilistische Entwicklung und stellt in einer weiteren Werkgruppe das breite Themenspektrum des Künstlers vor, der sich immer wieder für Menschrechte, Toleranz, Bildung und Aufklärung über die Krankheit Aids engagierte. Die Plakate werden in der Ausstellung ergänzt durch zahlreiche kleinere Objekte und Marketing-Produkte, die Haring in seinem New Yorker Pop Shop verkaufen ließ. Dank der Schenkung dieser Arbeiten durch den Hamburger Sammler Claus von der Osten an das MKG ist dieses Konvolut in seiner Vollständigkeit weltweit einzigartig.

Dass Keith Haring auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod noch erstaunlich aktuell ist, liegt an den Themen und seiner unverwechselbaren Bildsprache. Als einer der Ersten thematisiert er Aids und erfindet für die Krankheit Motive, die noch heute verwendet werden. Menschenrechte sind ihm ein wichtiges Anliegen. Und immer wieder setzt er sich für Kinder und für bessere Bildungschancen, besonders von Kindern aus ärmeren Schichten, ein. Mit ihren festen Linien und klaren Motiven entwickelt Haring eine Bildsprache, die sofort verstanden wird und mit großer Unmittelbarkeit wirkt. Zu seiner ungemein sicheren Zeichnung gesellt sich seine Gabe, auch komplexe Sachverhalte scheinbar einfach darzustellen. Dabei sind die meisten seiner Arbeiten mitnichten oberflächlich oder so simpel, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Die ersten Plakate entstehen 1982. Waren es in diesem Jahr nur vier, erscheinen im nächsten Jahr bereits neun. Bald sind es zehn bis zwanzig Plakate im Jahr. So produktiv sind auf diesem Gebiet nur noch zwei andere unter den Großen der amerikanischen Kunst: Andy Warhol und Robert Rauschenberg. Im Allgemeinen kündigen Plakate von bildenden Künstlern die eigenen Ausstellungen an – dies gilt auch für Haring. Doch von den rund 100 Arbeiten, die zu Lebzeiten entstehen, bewerben allein 23 verschiedenste gesellschaftspolitische Themen, 26 widmen sich kulturellen Anlässen, nur 19 entwirft Haring für seine Ausstellungen. Haring entwickelt für seine Plakate keinen neuen Stil. Nach ersten Versuchen mit kleinteiligen Strukturen, entscheidet er sich sehr schnell für Kompositionen mit großen Figuren und kräftigen Umrisslinien. Dabei kann er sich an seinen Subway Drawings orientieren, die mit einfachen Umrissen und zentrierten Motiven bereits im besten Sinne wie Plakate auftraten. Bei ihnen findet sich auch schon die rechteckige Umrandung des Bildfeldes, die auf den meisten von Harings Plakaten anzutreffen ist. Aus Fotos und Tagebucheintragungen ist bekannt, wie Haring arbeitete. Er liefert lediglich eine Zeichnung, ausgeführt mit schwarzem Marker oder Pinsel auf einem angemessen großen Bogen Papier. Darüber hinaus gibt er zusätzlich Anweisungen für die Farbgebung der einzelnen Flächen.

Auch wenn sich Harings Plakate in stilistischer Hinsicht nicht vom übrigen Œuvre absetzen, lässt sich doch eine Reihe von Besonderheiten feststellen. Die Schrift fällt sofort ins Auge, die sich in dieser Form nur auf den Plakaten findet. Auch die Motive sind in der Regel einfacher gehalten als in den meisten der Zeichnungen und erst recht als in den großformatigen Gemälden. Darüber hinausgehen viele der Darstellungen auf den Plakaten unmittelbar auf das jeweilige Thema ein und erlauben eine eindeutige Interpretation, wie sie die freien Gemälde und Zeichnungen nur selten zulassen. Besonders die Plakate, die sich an Kinder richten, erreichen eine geradezu illustrierende Direktheit.

Keith Haring stirbt am 31. Februar 1990 im Alter von 31 Jahren an Aids. Nach dem Besuch einer Schule für Grafikdesign in Pittsburgh kommt er 1978 nach New York. Seine künstlerische Heimat ist die Hiphop-Szene, die damals ihre erste große Blüte erlebt. Dazu gehören Rap-Musik, Breakdance und – entscheidend für Haring – die Graffiti-Malerei, wie überhaupt die verschiedenen Spielarten der Straßenkunst. Seine Freunde sind Graffiti-Künstler wie Fab Five Fred oder LA II. Manche von ihnen, wie Jean-Michel Basquiat oder Kenny Scharf werden später als Maler internationalen Erfolg haben.

In seinem autobiografischen Bericht, den er Freunden in seinen letzten Monaten diktiert, berichtet Haring von einem Wendepunkt in seiner Karriere Anfang 1980: „Was ich tat, war abstrakt – es erinnerte an die Dinge, die ich früher gemacht hatte. Aber an einigen Stellen begann ich, diese Zeichnungen von fliegenden Untertassen zu machen, die diese Tiergestalten bestrahlen. Die Untertassen richteten Energiestrahlen auf verschiedene Dinge und die erhielten dann auch diese Kraft. Und so hatten diese Dinge oder Menschen oder Tiere diese Strahlen, die rundum herauskamen.“ 1980 – das sind die ersten Jahre der Star Wars-Saga. Raumschiffe und Energiestrahlen gehören zum Alltag. Bei Haring gehen diese Motive allerdings schnell in einer neuen, sehr eigenständigen Bilderwelt auf. Mitte 1980 dauert es nur wenige Wochen, in denen er seinen Stil findet. Von nun an sollte seine Kunst von der klaren Linie bestimmt werden. Seine Themen sind die großen Themen des Lebens: Liebe und Sex, Gewalt und Tod. Er entwickelt Kürzel für Hunde und Engel, für Gut und Böse. Oft meint man, diese Bilder seien schnell zu erfassen, weil sie aus scheinbar einfachen Linien bestehen, muss aber bald eingestehen, dass sie sich fast immer der Eindeutigkeit und verbalen Festlegung entziehen.

Haring findet einen äußerst originellen Weg, seine Kunst zu verbreiten. In den New Yorker U-Bahn-Stationen ist es üblich, abgelaufene Plakate mit schwarzem Papier zu überkleben. Auf diesen Flächen zeichnet er mit weißer Kreide seine Figurenbilder. Die „Subway Drawings“ werden schnell stadtbekannt. Haring hat eine Form gefunden, die eindeutig zur Street Art gehört, dem Graffiti sehr nahe steht und dennoch neu und ganz seine eigene ist. Hier erprobt er viele seiner Motive, die er später als Malerei oder in anderen Techniken, Formaten und Variationen aufgreifen wird.

Als sein „Tag“, seine Signatur als Straßenkünstler, wählt er das krabbelnde, auf plumpe Umrisse reduzierte Kleinkind, von dem kurze Strahlen ausgehen: „Das Baby ist deshalb zu meinem Logo oder meiner Signatur geworden, weil es die reinste und positivste Form menschlichen Lebens darstellt“, schreibt er in seinen Tagebüchern. 1982 ist es auf dem riesigen Bildschirm an der Stirn des Times Square zu sehen. Zwischen Cola-Gesichtern und Zigaretten-Cowboys strahlt das „radiant child“ in steten Wiederholungen über den Platz. In diesem Jahr setzt der Erfolg ein: Nach mehreren selbstorganisierten kleinen Ausstellungen erhält der Künstler eine Einzelausstellung in der Galerie von Tony Shafrazi, in der er seit einiger Zeit als Assistent jobbt. Die Ausstellung ist mehr als ein Überraschungserfolg, sie erregte Aufsehen. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird der universelle Anspruch seiner Kunst deutlich. Ebenfalls 1982 wird Haring zur Documenta 7 nach Kassel eingeladen.

Im nächsten Jahr nimmt er an der Whitney Biennale of American Art und an der Biennale von São Paulo teil und hat Galerieausstellungen in London, Mailand und Tokio. Die nächsten Jahre, bis zu seinem frühen Tod Anfang 1990, lesen sich wie eine einzige Erfolgsstory: Es folgt Ausstellung auf Ausstellung – und damit auch Plakat auf Plakat. Sie begleiten von nun an seinen Weg als Künstler und verkünden seine Aktionen und sein Engagement im Kampf gegen Aids und für andere soziale Anliegen.

Quelle: MKG. Motive (Ausschnitt / part of the original image): Keith Haring (1958-1990), American Music Festival – New York City Ballet, 1988, Siebdruck, © Keith Haring Foundation

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG)
Steintorplatz, Hamburg
Di bis So 10:00 bis 18:00, Do bis 21:00
Andere Öffnungszeiten ggf. vor und an Feiertagen
www.mkg-hamburg.de

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