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Bis 31.07.17 Dirk Brömmel – Kanzlerbungalow

FOTOGRAFIE_
Galerie Hengevoss-Dürkop, 19. Mai bis 31. Juli 2017 (im Juli nach Vereinbarung zu besichtigen)

Der Kanzlerbungalow in Bonn 1963/64 im Auftrag von Ludwig Erhard von Sep Ruf errichtet, gilt heute als ein bedeutendes Werk deutscher Nachkriegsarchitektur. Um als Wohnort und Repräsentationsräume des Bundeskanzlers Weltoffenheit und moderne Gesinnung zu signalisieren, knüpfte der Entwurf an die klassische Moderne an. Über einer Skelettstahlkonstruktion schwebt quasi ein Flachdach, das mit weit überstehenden Dachüberständen zwei quadratische, gegeneinander versetzte Wohneinheiten mit je einem Atrium bedeckt. Große Fensterflächen, Schiebewände und versenkbare Wände verschränken Privatheit und öffentliche Aufgabe und machen zudem Durchblicke in den umliegenden Park des ehemaligen Bundeskanzleramtes, dem Palais Schaumburg, möglich.

In seinem neuesten Projekt befasst sich der mehrfach ausgezeichnete Wiesbadener Künstler Dirk Brömmel mit dem Gebäude. Als ausgebildeter Fotograf, der Kommunikationsdesign und im Anschluss ein Studium der Freien Kunst an der Gutenberg Universität in Mainz absolviert hat, richtet sich sein Blick auf die Architektur, ihre historische Nutzung und Wahrnehmung im Wandel der Zeiten. In der Serie setzt er sich mit Räumen, mit Baugliederungen, Ausstattungsdetails und auch der Gesamtansicht von Aussen auseinander und bringt es mit dem Leben überein, das sich hier abspielte.

Brömmel greift auf Pressefotografien unter anderem aus dem Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Bundesarchiv und dem Bundespresseamt zurück. Sie sind anlässlich von öffentlichen und privaten Empfängen, Arbeitsessen und Gesprächsterminen im Kanzlerbungalow entstanden. Für die Auswahl und Verarbeitung des immensen Fotomaterials spielen die Erfahrungen des Künstlers mit seinen älteren Serien eine Rolle. So zum Beispiel das Thema Zeit und eine verschwindende Form in seiner Werkreihe „Antennen“, die er überall in der Welt fotografierte.

Die überblendeten Bilder aus Gegenwart und Vergangenheit sind in immer neuen Kompositionen übereinandergeschichtet. Diese erweitern und ergänzen die Ansichten ebenso, wie die Einfärbungen der Pressefotografien. Vor weißen Passepartouts entwickeln die gerahmten Bilder zudem eine besondere Leuchtkraft, die das anrührend Private der Villa Tugendhat Bilder verlieren. In KB Nr. 1 zum Beispiel verstärkt der weite Blick in das leere Wohnzimmer der Aufnahme von Dirk Brömmel die in das Bild montierte und links aus dem Rand laufende Detailaufnahme eines Zwiegesprächs zwischen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard.

Während Ludwig Erhard äußerte, dass das Haus so in der Ausstattung, Anordnung gebaut sei, wie es dem Wesen seiner Frau und ihm gemäß sei, urteilte Konrad Adenauer: „Ich weiß nicht welcher Architekt den Bungalow gebaut hat, aber der verdient zehn Jahre.“ Als Ludwig Erhard dort 1964 einzog titelte die „Bild“-Zeitung: „Er wohnt wie ein Maulwurf“.  Helmut Kohl hielt ihn „im Sinne einer Wohnung eines Bundeskanzlers“ für ein „absurdes Bauwerk“. Auch Kiesinger lästerte, der neue Kanzlerbungalow sei wie ein Schlafwagen, in der Mitte ein Gang, rechts und links Zellen, „die Leute sagen, er hat zwei Millionen gekostet, ich muss rein.“ Dirk Brömmel geht auf Spurensuche und entwickelt in der in der Galerie zum ersten Mal ausgestellten Serie eine aktuelle Sichtweise auf die historische Bedeutung des Gebäudes.

Quelle: Galerie Hengevoss-Dürkop. Motiv (Ausschnitt): © Dirk Brömmel, KB Nr. 1, 1964/2016,  © Bundesregierung / Fotograf Georg Munter; Dirk Brömmel, 110 x 110cm, Ed. 4, Mixed Media / Aludibond (gerahmt)

Galerie Hengevoss-Dürkop
Mi bis Fr 14:00 bis 19:00, Sa 12:00 bis 15:00
Künstlergespräch am 11. Juni 2017, 15:00 (Dr. Matthias Schatz, Dirk Brömmel)
Galeriehaus Hamburg, Klosterwall 13, Hamburg
www.hengevossduerkop.de

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