DEICHTORHALLEN Hamburg, 2018 (c) Wallinger

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25.01. Deichtorhallen: Gute Aussichten Deluxe

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FOTOGRAFIE_
Haus der Photographie, Deichtorhallen, 26. Januar bis 21. Mai 2018
Eröffnung: 25. Januar 2018, 19.00

„gute aussichten deluxe“ zeigt 25 neue, herausragende Positionen nach der Düsseldorfer Schule aus dem Kreis der gute aussichten Preisträger der Jahre 2004 bis 2015, deren künstlerisches Schaffen sich in dieser Zeit kontinuierlich weiterentwickelt hat.

Die zeitgenössische Fotografie hat sich vom reinen Abbild längst verabschiedet. Die durch die Düsseldorfer Schule postulierte Objektivität des Bildes ist – trotz oder gerade wegen der anhaltenden Bilderflut auf allen medialen Kanälen – dahin. Gesucht und untersucht wird von den jungen Fotografen und Fotografinnen, welche Rolle die Fotografie im medialen Kanon der Bilder spielt und welche neuen Ausdrucks- und Erscheinungsformen man ihr entlocken kann. Sie nutzen dafür alle Mittel der digitalen und analogen Bilderzeugung und -umsetzung, bedienen sich unterschiedlicher medialer Strategien ebenso selbstverständlich, wie sie mit Bewegtbildern, Sound und der Malerei hantieren oder sich mit ihren Werken installativ in den Raum bewegen.
Die Positionen, die gute aussichten deluxe vorstellt, sprengen vielfach die Grenzen, die dem Medium Fotografie auferlegt scheinen. So entwickelt der Berliner Fotokünstler Kolja Linowitzki für seine Serie „Digits of Light“ kurzerhand sein eigenes Produktionsmittel, eine komplett selbst gebaute Apparatur zur Erzeugung von Bildern, die digitales Licht und analoge Belichtung zusammenführt. Jedes Bild ein Unikat, mit fast graphisch-malerischer Anmutung.
Bildgewordene Philosophie ließe sich Georg Brückmanns Serie „Kundmanngasse 19“ nennen, die die permanente Selbstreferenz in der Philosophie des Denkers Ludwig Wittgenstein erkundet und visualisiert. Zu diesem Zweck hat Brückmann Räume eines von Wittgenstein mitgebauten Palais in Wien sowie Gegenstände fotografiert, über- oder bemalt, im kleineren Massstab zusammengebaut, mit Fotografien kombiniert und dann wieder alles neu ins Bild gesetzt. Dieses selbstreferenzielle Vorgehen zur Erzeugung eines einzelnen „Interieurs“ belegt und hinterfragt gleichzeitig die Konstruktion von Bildern, von Wahrnehmungen und Wahrheiten.

Ein Scatterface aus Expanded Pictures. © Sarah Strassmann

Was mit ganz alltäglichen Gegenständen, wie einer Krawatte, einer Orange oder einem Schwimmflügel geschieht, wenn sie, ihrer ursprünglichen Funktion enthoben, in einen anderen Kontext gesetzt werden, demonstriert Claudia Christoffel in ihrer Serie „FUN-GHB-EAT“: Wozu kann ein Schwimmflügel beim Sex dienen (FUN)? Kann eine Orange als Folterwerkzeug missbraucht werden (GHB?) Ist eine Krawatte einfach nur ein Kleidungsstück (EAT)?
Um die Funktionalität und den Stellenwert des Mediums Fotografie im digitalen Zeitalter geht es Sarah Strassmann in ihrem Forschungsprojekt „Expanded Pictures“. Erzeugung, Bearbeitung und Distribution von Bildern sind dank Handykamera, Internet und Social Media so selbstverständlich wie allgegenwärtig geworden. Ein bevorzugtes Sujet ist dabei das Selfie: DAS zeitgenössische Medium der Selbstinszenierung, dessen Bild zwar individuell erscheint, aber einem Archetypus entspricht. Es geht somit viel weniger um das Foto als Abbild des Selbst, als um den Vorgang des Fotografierens an sich, der, frei nach René Descartes „cogito ergo sum“, besagt: ICH bin (da). Fotografieren im digitalen Zeitalter wird damit allem voran zu einer (sozialen) Handlung, die zur Bespielung der digitalen Kanäle wie Facebook, Instagram oder Snapchat dient. Der Themenreigen der teilnehmenden jungen Talente umgreift zudem die Auseinandersetzung mit Architektur, Erinnerung und Erinnerungskonstruktion, klassische Sujets wie Portraits oder Stillleben, untersucht die visuellen Inszenierungstechniken rechter Parteien in Europa oder definiert die klassische Reportage-Fotografie neu.

Dabei setzen die Fotografen in einer Zeit, die allgegenwärtig von Fake-News betwittert wird, immer wieder konzentrierte Akzente mit Bildern von überraschender Schlichtheit, Poesie und elementarer Lebensverbundenheit.
Mit ausgezeichneten Werken der Preisträger Nadja Bournonville, Georg Brückmann, Claudia Christoffel, Monika Czosnowska, Felix Dobbert, Sonja Kälberer, Katrin Kamrau, Kolja Linowitzki, Tamara Lorenz, Marian Luft, Sara-Lena Maierhofer, Thomas Neumann, Nicolai Rapp, Jewgeni Roppel, Rebecca Sampson, Helena Schätzle, Luise Schröder, Stefanie Schroeder, Sarah Straßmann, Stephan Tillmans, Markus Uhr, Anna Simone Wallinger, Christina Werner und Maja Wirkus.

Quelle: Deichtorhallen. Foto (Ausschnitt/part of original image): Anna Simone Wallinger, Sodade. © Anna Simone Wallinger

Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstr. 1-2, Hamburg
Di bis So: 11:00 bis 18:00
Jeden 1. Donnerstag im Monat: 11:00 bis 21:00 (außer an Feiertagen)
Öffentliche Führungen jeden Sa und So 15.00
Abweichende Öffnungszeiten sind möglich.
Rahmenprogramm:
www.deichtorhallen.de

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